Ich möchte die Aufteilung der Themen innerhalb der Ausstellung ansprechen. Es geht um sieben Fenster, die mit Text und Bild auf einem Poster und Objekten gestaltet sind.

Das erste Poster gibt – konzentriert in wenigen Sätzen – Informationen über die Geschichte der jüdischen BürgerInnen in Uelzen. Wir zeigen zwei Abbildungen: das Titelblatt des Steuerverzeichnisses von 1847/48 und der jüdische Friedhof in der Niendorfer Straße. Diese Bilder stehen einerseits für die beruflich-soziale Integration und das wirtschaftliche Mitwirken der jüdischen Menschen anderseits weisen sie auf ihren Ausschluss aus der Gemeinschaft hin, denn sie durften ihre Tote nicht im städtischen Friedhof begraben.

Wir gehen dann im Poster zwei auf die Schicksale einiger Uelzener Menschen jüdischen Glaubens ein und stellen vier Lebensläufe und ihre Wohnorte in der Stadt dar. Es ist ergreifend heute vor diesen Gebäuden zu stehen und zu wissen, dass ihre Bewohner teilweise deportiert und ermordet wurden.

Dieses Schicksal ist dem Ehepaar Heinemann nur erspart geblieben, weil sie davor durch einen natürlichen Tod gestorben sind. Karl und Josephine sowie ihre Kinder sind die eigentlichen Protagonisten dieser Ausstellung. Ihre Geschichte erzählen die Poster der nächsten drei Fenster.

Es wird von der erfolgreichen Karriere Karl Heinemanns, vom gutbürgerlichen gesellschaftlichen Status der Familie und der höhen Ausbildung der Heinemann-Kinder berichtet, ihre Talente und Initiativen. Einige Originalobjekte aus dem Familienbesitz sind ausgestellt. Aus dem wunderbaren Skizzenbuch von Tochter Gertrud haben wir einige Seiten kopiert. Andere Exponate, wie die Fachbücher von Karl und das Sofa stehen in Zusammenhang mit der Zwangsversteigerung, die von den Nationalsozialisten in Uelzen durchgeführt wurde.

Insbesondere aus der Geschichte der Heinemannsbrüder wird ersichtlich, wie die nationalsozialistische Verfolgung den Lebenslauf mehrerer Generationen durch Zwangsemigration, Leben im Untergrund, mehrmals Vernichtung von Existenzen gezwungen und auch nach Kriegsende bestimmt hat.

Im letzen, siebten Poster schlagen wir eine Brücke zu Heute, denn was bleibt vom jüdischen Leben in Uelzen sind – neben dem jüdischen Friedhof – die Stolpersteine, ein künstlerisches Projekt der Erinnerungskultur.

Dieser Text entspricht den einführenden Worten von Gabri Macchini. Die Einführungsrede von Dietrich Banse lesen Sie hier.

Gabri Macchini

Gabri Machini-Warnecke | Historikerin, Dr. phil. (*9.1.1964) Studium der Geschichte an der Università degli Studi di Trieste (I), Promotion an der Leibniz Universität Hannover Freiberufliche Museumspädagogin Schwerpunkte: „Gastarbeiter“ in der Landwirtschaft, Lokalgeschichte des 20. Jahrhunderts