geboren am 10.7. 1923 in Einbeck, jüngstes der insgesamt fünf Kinder der Familie Otto Jordan. Zusammen mit seiner Mutter Anna Frieda und seinen Geschwistern Grete und Hans zog er 1934 nach Uelzen in das Haus Brückenstraße 5, was seiner Großmutter Klara Plaut geb. Ballheimer gehörte. Er besuchte die Mittelschule, in der er von Anfang an keinen leichten Stand hatte. Angesichts des wachsenden Antisemitismus, der auch im Schulalltag seinen Niederschlag fand – so saßen jüdische Kinder oft getrennt von den Mitschülern in der letzten Bank, der ,,Judenbank“ – war Gerd Jordan von Beginn an in der Klassengemeinschaft isoliert. Von Ostern 1934 bis zum 17.8.1938 besuchte er die Gehobene Abteilung der Uelzener Stadtschule, musste die Schule dann aber verlassen, da er die Schulpflicht erfüllt hatte und seine Weiterbeschulung trotz guter schulischer leistungen nicht im Interesse des nationalsozialistischen Staates lag.

Er wechselte über in die Gartenbauschule in Hannover-Ahlem, in der junge deutsche Juden eine Ausbildung als Gärtner oder Landwirt erhielten, um für eine Siedlungstätigkeit in Palästina gerüstet zu sein. Aber das Lernen und Arbeiten in dieser Ausbildungsstätte konnte den jungen Gerd Jordan nicht die bedrohliche Situation und die feindliche Umgebung vergessen lassen, der er sich auch hier Tag für Tag ausgesetzt sah.

Er wünschte sich nichts sehnlicher, als so bald wie möglich dieses ungastliche Land zu verlassen. So schrieb er seiner Schwester Grete am 16.8.1939 nach England:

,,Hoffentlich erreichst du etwas für mich, es wäre doch sehr schön, wenn ich eventuell nach dort [England] kommen könnte, denn“, so fügte er fast etwas neidvoll hinzu, „…von hier gehen sehr viele Jungen fort, zum Teil nach England.“

Enttäuscht ließ er an anderer Stelle alle Hoffnung fahren, wenn er an seine beiden älteren Brüder Hans und Otto dachte, die zu dieser Zeit schon in Südafrika lebten: ,, Vom Konsulat haben wir keine Nachricht erhalten, die Sache nach Afrika wird wohl nicht klappen.“

Doch nicht nur die ,Sache nach Afrika“ klappte nicht, auch die Auswanderung nach England war nicht mehr möglich. Gut zwei Wochen, nachdem er diesen Brief geschrieben hatte, brach der Zweite Weltkrieg aus. England erklärte dem Deutschen Reich nach dem Überfall auf Polen am 3.9.1939 den Krieg; alle humanitären Aktionen, wie etwa die Emigration von ca. 10.000 deutschen, österreichischen und tschechischen Jugendlichen jüdischer Herkunft nach Grossbritanien (,,Kindertransport“) war nun nicht mehr möglich.

Gerd musste in Deutschland bleiben und wurde zusammen mit seiner Mutter Anna Frieda am 6. 12. 1941 von Hamburg nach Riga deportiert. Später war er im Konzentrationslager Stutthof (bei Danzig) inhaftiert, von wo er am 16.8.1944 in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht wurde.
Vom 19. 8. 1944 bis zum 21.3. 1945 war er im Außenlager Bochum des KZ Buchenwald, kehrte dann nach Buchenwald zurück. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Dietrich Banse

Zur Person: *6.April 1945, Studium an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg, Lehrer von 1971-2008. Gründungsmitglied der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. Schwerpunkte: Geschichte der Uelzener Juden, Uelzen in der Zeit zwischen 1918 – 1945. Sowie Mitarbeit in anderen regionalen Geschichtsvereinen.